Die Geschichte des Penang Coconut Currys
Der geheimnisvolle Duft
Vor vielen, vielen Jahren hat Birgit einen kleinen Gewürzladen in London aufgemacht – ganz frisch, an der Portobello Road. Gleichzeitig hatte sie dort auch ihren Marktstand. Da der Laden noch ganz neu war, die Märkte aber ihre Haupteinnahmequelle waren, fokussierte sie sich weiterhin auf die Märkte und musste dort persönlich vor Ort sein. Der Laden wurde deshalb von wechselnden Händen geführt – mal Freunde, mal Bekannte, mal Leute, die sich auf die Stelle beworben hatten.
Und dann kam Aini.
Eine ältere Frau aus Malaysia, ruhig, herzlich – und mit einem Gespür für Gewürze, das Birgit so noch nie erlebt hatte. Ihr Englisch war holprig, aber das spielte keine Rolle: Wenn es ums Kochen und um Gewürze ging, verstanden sich die beiden blind. Die perfekte Frau für den Laden.
Birgit selbst kam nur sporadisch vorbei – kurz vom Markt rüber, Gewürze nachfüllen, einmal durchatmen, weiter. Oder eben zum Ladenschluss, wenn alles vorbei war. Doch irgendwann fiel ihr etwas auf.
Immer wieder, meistens nachmittags um die Mittagszeit, lag da dieser Duft im Laden. Und ja – natürlich duftet ein Gewürzladen. Nach allem. Immer. Aber das hier war anders. Das stach heraus.
Eine Mischung aus Kaffirlimette und etwas Geröstetem, Nussigem, Tiefem – warm, reichhaltig, fast wie frisch gekocht. Wie aus einer anderen Welt.
Birgit schnüffelte sich durch ihre Regale. Nichts. Öffnete ihre Mischungen, roch an den neuen Kreationen – hatte sich eine verändert, intensiviert? Sie fand nichts.
Das Verrückte: Der Duft war nicht immer da. Manchmal nur ein Hauch, ein kurzer Moment beim Reinkommen – und dann wieder weg.
Wochenlang ging das so. Ein Duft wie ein Phantom.
Eines Sonntags, nach einer langen Marktwoche, machten Birgit und Aini gemeinsam Ladenschluss. Kasse zählen, Ware für Montag checken – und aussortieren, was kurz vor dem Ablaufdatum stand. An diesem Tag dabei: Kaffirlimettenblätter.
Birgit stutzte. Kaffirlimette ... War das des Rätsels Lösung? Gaben die Blätter kurz vorm Ablauf vielleicht einen intensiveren Geruch ab?
Ganz überzeugt war sie nicht – der Phantomduft war anders. Voller, wärmer, unbeschreiblich aromatisch und tief. Aber immerhin: eine Spur.
Sie wollte die Blätter gerade entsorgen und das Ganze abschließen, da hielt Aini sie auf. Ob sie die Blätter mitnehmen dürfe? Sie könne sie noch gut gebrauchen.
Kaffirlimettenblätter waren damals in London schwer zu bekommen und teuer – erst recht, wenn das Geld knapp war.
Birgit drückte ihr natürlich den ganzen Stapel in die Hand. Und fragte sich insgeheim, ob Aini die jemals alle verwenden könnte – Kaffirlimettenblätter sind schließlich so intensiv, dass meist schon eine kleine Dosis für ganze Gerichte reicht.
Ein paar Tage später, ein ruhiger Mittwochabend, kurz nach sechs. Wieder Ladenschluss, wieder Kasse zählen, Ware richten. Da kam Aini auf Birgit zu – mit einem kleinen Töpfchen in der Hand.
Darin: ein leuchtend orangefarbenes Curry mit grünen Stückchen.
Ein Dankeschön, sagte sie. Für die Limettenblätter.
Ein traditionelles Gericht aus ihrer Heimat Penang: Gewürze einzeln geröstet und frisch gemahlen, die Kaffirlimettenblätter ebenfalls geröstet und stundenlang in eine cremige Currysauce eingekocht. Dazu Hähnchen, obendrauf frische Kräuter.
Birgit – immer die Allererste, wenn es Neues zu probieren gibt – konnte gar nicht schnell genug den Deckel öffnen. Große Augen, volle Begeisterung, Herzklopfen ...
Der Duft war reich, nussig, zitrisch, geröstet – mit dieser unverkennbaren Note von Kaffirlimette, aber anders, gerösteter.
Einer der köstlichsten Düfte, die ihr je in die Nase gestiegen waren – und es war exakt der Geruch, der sie wochenlang durch ihren eigenen Laden verfolgt hatte.
Es war Aini. Die ganze Zeit war es Aini.
Sie kochte dieses Curry regelmäßig für ihre Familie – und brachte sich davon immer wieder etwas für die Mittagspause mit in den Laden. Das Gericht war so aromatisch, dass der Duft noch Stunden später in der Luft hing – selbst wenn das Mittagessen längst gegessen war. Das Phantom war gefunden.
Ein Löffel – und Birgit war im Himmel. Bis heute zählt dieses Curry zu ihren absoluten Lieblingsgerichten und zu ihren schönsten Essmomenten überhaupt. Nie vergessen.
Bis heute schwärmt sie von diesem ersten Löffel, von diesem Geschmack – so etwas hat sie bis heute kein zweites Mal erlebt.
Sie setzte sich noch am selben Abend mit Aini zusammen und ließ sich alles zeigen: welche Gewürze, wie geröstet, in welcher Reihenfolge, mit welchen Handgriffen – und schrieb sich das Rezept und die Mischung auf.
Und genau diese Gewürzmischung – bis heute unverändert – gibt es bei uns: unser Penang Coconut Curry. Mit Ursprung direkt aus Malaysia.
Eine Mischung für die Seele.